Geschichte
Foto: alte Hillerschule
Die Hillerschule ist die älteste Schule in Bietigheim und seit 1873 in Betrieb. Sie ist benannt nach dem wohl beliebten Stadtschultheiß August Hiller, dem Jüngeren (1822 – 1871), der seit 1848 als Nachfolger des Vaters Friedrich August Hiller in Bietigheim wirkte und den Bau der Schule auf dem „Hillerplatz" vor dem Oberen Tor vorbereitet hat. Die Einweihung des in Neorenaissance-Formen erstellten Gebäudes im Jahre 1873 erlebte er nicht mehr.
| Von August Hiller wird berichtet, dass er "neben besonderer Neigung für die Gemeindeverwaltung gemäß der Familientradition im häuslichen und gemeindlichen Wirkungskreise den lieblichen Volksgesang nach Kräften im Sinne Friedrich Silchers pflegte. Besondere Verdienste in dieser Hinsicht erwarb sich die Frau des Hauses, Johanna geborene Hürlen aus Heutingsheim." | |
| Der Bau dieser Volksschule war ein dringendes Bedürfnis geworden, seit in den sechziger Jahren der Stillstand des Bevölkerungszuwachses überwunden worden war und die Einwohnerzahl nun von 3000 im Jahr 1860 auf 4000 im Jahr 1880 stieg. Zuvor war die Volksschule zusammen mit der „Latein- und Realschule" in den Gebäuden Hauptstraße 61 und 63 untergebracht. (Diese werden seit ihrer Restaurierung im Jahr 1986 von der Stadtverwaltung genutzt). | |
Foto: Neue Hillerschule
Das in der Amtszeit von August Hiller geplante Gebäude am „Hillerplatz" wird als Alte Hillerschule bezeichnet, denn im Jahr 1907 wurde die Schulanlage durch ein zweites, wesentlich schöneres Schulgebäude, die sogenannte Neue Hillerschule, erweitert. Auffallend ist der mit Jugendstilformen gestaltete Giebel zur Hillerstraße.
| Die Hillerschule blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Verschiedene Schularten waren in ihren Gebäuden untergebracht: Volksschule, Frauenarbeitsschule, Mädchenmittelschule, Realschule, Hilfsschule/Sonderschule, Grund- und Hauptschule. | |
| In den Jahren 1973-75 wurden die Gebäude grundlegend renoviert. Heute stellt sich die Hillerschule dar als eine stilvolle, liebenswerte reine Grundschule mit einer guten Ausstattung an Lehr- und Lernmitteln. |
Foto: Einweihung der Neuen Hillerschule 1907
Wie uns zufällig bekannt wurde, gibt es auch in Steinheim/ Albuch eine Hillerschule. Dies hat uns veranlasst, unsere Nachforschungen auszuweiten. In der Tat gehören beide Namensgeber zu der bekannten schwäbischen Familie Hiller, in der die "Pflege der Dichtkunst, besonders die volkstümlich gemütliche Offenbarung derselben, eine Art Familienerbschaft gewesen zu sein scheint."
M. Philipp Friedrich Hiller
August Hillers Urgroßvater, Namensgeber der Schule in Steinheim/ Albuch, war der fromme Pfarrer und Liederdichter Philipp Friedrich Hiller, geb. 1699 zu Mühlhausen an der Enz, 1769 gestorben zu Steinheim/ Albuch. Er wirkte in verschiedenen schwäbischen Gemeinden und tat sich hervor als bedeutender geistlicher evangelischer Liederdichter des 18. Jahrhunderts, weit über die regionalen Grenzen hinaus. Gustav Schwab vermerkt über seinen Landsmann: "Hiller ist ... nächst Paul Gerhard der größte, leider nur unter den Stillen im Lande bekannte Kirchendichter, gewiss der größte des 18. Jahrhunderts. Sein Hauptwerk „Geistliches Liederkästlein zum Lobe Gottes" umfasst 732 kleine Oden über so viel biblische Sprüche, Kindern Gottes zum Dienst aufgesetzt."
M. Philipp Friedrich Hiler
| Aus der tief verinnerlichten Gläubigkeit des Pietismus jener Zeit bekennt er: | |
|
"Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß; aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss." |
|
|
Der Bruder von August Hiller, Eduard Hiller (geb. 1818), machte sich einen besonderen Namen in der Geschichte der schwäbischen Dialektdichtung. Er hatte gleichfalls die Saatswissenschaften studiert, wirkte u.a. als Prof. an der landwirtschaftlichen Akademie zu Hohenheim und war zeitweise Verwalter des goßen Dominialbesitzes der Freiherren von Ellrichshausen (Möckmühl-Züttlingen). Wegen eines schweren Nervenleidens musste er diesen Posten aufgeben und zog zum Bruder nach Bietigheim. Hier machte er mit seiner schwäbischen Dialektdichtung auf sich aufmerksam. " Durch die glückliche Wahl der behandelten Stoffe hat E. Hiller der schwäbisch- mundartlichen Dichtung ihre naturgemäße Stellung in der Literatur zurückgegeben. Er befreite sie äußerlich von dem künstlichen Druck der Schriftsprache und innerlich von dem Bann einer fremden Gedankenwelt, die mit den natürlichen Anschauungen des Volkes im Widerspruch steht." |
Foto: Historische Stadtansicht mit Hillerschule
1861 erscheinen die „Stimmen am Krankenlager", 1863 „Gedichte", 1886 „Wintergrün". Er zählte bereits mehr denn 70 Jahre, als er seine Verehrer mit der „Naiven Welt" überraschte und uns als "sinniger Dichter des heimatlichen Naturlebens erscheint":
Eduard Hiller
|
"Waldwichtele im Frühling |
|||
| (10) |
Zwick, du steigst ufs Bomwerk munter Keist die dürre Aestla runter. |
||
| (20) |
Hupp, sobald em Laub ist ztrauet Riefst die Vögele, daß se bauet. |
||
| (23) |
Dom, und du thuest Löchle stupfe, Läßt die Würmlen außerschlupfe." |
||
| Quellen: | |||
|
1. Vaihinger Kreiszeitung vom 5.Jan 1999
2. August Holder: „Geschichte der schwäb. Dialektdichtung", Heilbronn 1896
3. Roemer: „Die Geschichte der Stadt Bietigheim an der Enz", 4. Schriftenreihe der Stadt Vaihingen/Enz, Band 8 |
|||